Für alle, die wie ich oft bei einem Blogartikel gleich runterscrollen zum Fazit, steht dieses ganz oben. Wobei es dieses Mal folgende Aufgabe ist:

Schreib dir fünf Dinge auf, die dir wirklich guttun.

Auf der Liste dürfen nur Punkte stehen, die weder mit Geld noch Kalorien zu tun haben. Damit fallen zum Beispiel Getränke, Ausflüge, Essengehen oder Shoppen weg.

Erfahrungsgemäß wird es schwerfallen, die Liste zu vervollständigen. Denn: Was springt für dich dabei heraus? Rentiert sich dieser Zeitinvest überhaupt, wo doch eh jeder Tag zu kurz ist für all die To-dos?

Ganz ehrlich: Du machst so eine Aufgabe nur, wenn wirklich was für dich dabei rausspringt. Wenn du am Ende mehr davon hast. Und nicht, weil irgendwer sagt „mach das". Drum will ich dir gar nicht erklären, dass du das tun sollst, sondern was du davon hast.

 

Wie ich die Übung entwickelt habe

Ich habe jahrelang Abnehmkurse gegeben, und ich war mit dem Konzept wirklich fein. Ich habe selbst damit abgenommen, es hat funktioniert. Regeln befolgen konnte ich also durchaus.

Und trotzdem war da etwas, das nicht aufging. Denn ganz gleich, wie diszipliniert du bist: Irgendwann macht dein Körper nicht mehr mit. Das hat nichts mit Vernunft zu tun und nichts mit Wollen. Die Regeln kamen von außen, und sie haben nicht danach gefragt, was mein Körper in dem Moment gebraucht hätte.

Mit all dem Wissen, das ich in dieser Zeit gesammelt habe, habe ich dann etwas Eigenes entwickelt, einen Kurs zur Selbstakzeptanz. Und dessen Inhalt sehe ich bis heute genauso.

Selbstakzeptanz schulen heißt nämlich nicht, sich schön zu reden. Es heißt, wieder wahrzunehmen. Dass dir Dinge im Alltag auffallen, die so klein sind, dass man sie leicht zur Seite wischen könnte. Und genau so eine Kleinigkeit ist mir an mir selbst aufgefallen.

Der Sprizz

Wenn etwas schön war, ein Ausflug, ein guter Tag, dann kam das in die Story. Und wenn ich ehrlich bin, ging es dabei auch darum zu zeigen: Schau, ich hab mein Leben im Griff, und schön ist es auch. Womit zeigt man das am besten? Mit Ausflügen. Mit gutem Essen. Mit einem Getränk, das gut aussieht. Der Cappuccino, der Sprizz, der Matcha. Der orange Drink mit der Orangenscheibe obendrauf, du weißt schon welcher.

Und ich war damit nicht allein. Schau dich um. Alle, die in ihrer Freizeit unterwegs sind, machen das. Das kühle Getränk ins Bild gehalten, für ein Lebensgefühl, für einen tollen Tag. In den Live-Treffen im Selbstakzeptanz-Kurs war das immer wieder Thema, wieso das gemacht wird.

Versteh mich nicht falsch. Ich stell mich damit nicht über dich, und ich will dir dein schönes Foto nicht madig machen. Du musst jetzt nicht denken, du darfst nie wieder was posten, sonst hättest du das mit der Selbstfürsorge nicht kapiert. So ist das nicht gemeint.

Ich hör dich schon: „Klar sieht man Fotos, wo jemand die Füße hochlegt". Nur ist auf dem Bild fast immer noch ein Getränk oder ein Essen. Kann natürlich auch sein, dass ich da die falschen Leute abonniert hab oder die Füße-hochlegen-Bubble einfach noch nicht gefunden habe, don't judge me. Einfach nur dasitzen, ohne alles, ohne Fernsehen, ohne Glas in der Hand, und Löcher in die Luft starren – bitte viel mehr davon!

Warum ein leckeres Getränk dich nicht wirklich erholt

Jetzt fragst du dich vielleicht, wieso ich so ein Gewese um ein Getränk mache. Es ist ja nicht der Sprizz, der das Problem ist. Das Problem ist, was wir für Erholung halten.

Und da lohnt sich ein Blick auf dein Nervensystem. Vereinfacht gesagt hat es zwei Seiten. Die eine, der Sympathikus, ist dein Antrieb: wach sein, leisten, den Tag stemmen. Kreislauf hoch, Muskeln in Spannung, alles bereit. Die andere, der Parasympathikus, ist fürs Herunterfahren zuständig. Da arbeitet die Verdauung, der Schlaf wird erholsam und Regenerationsprozesse laufen an.

Das Problem der meisten von uns ist, dass wir darin feststecken. Den ganzen Tag unter Strom, oft über Wochen, manchmal über Jahre. Und der Parasympathikus, die Regeneration, kommt kaum noch dran.

Leider lässt sich dieses Herunterfahren nicht befehlen. Dein Körper fährt nicht herunter, weil du es dir vornimmst, und auch nicht, weil du dir einmal etwas Schönes gönnst. Er braucht ein Signal, dem er traut und sich sicher fühlt. Deshalb reicht das Wellnesswochenende nicht. Zwei Tage Ruhe, und am Montag bist du wieder genau da, wo du vorher warst.

Was er wirklich braucht, ist nicht das große Erlebnis, sondern die Wiederholung. Immer wieder das kleine Signal: Gerade ist es sicher, du darfst loslassen. Das geben die kleinen, unscheinbaren Dinge, die sich jeden Tag wiederholen lassen. Kurz die Füße hochlegen. Sich einen Moment hinlegen. Ein paar bewusste Atemzüge. Genau das, was uns wirklich erholt, ist so still und alltäglich, dass niemand auf die Idee käme, es zu fotografieren.

Wozu diese Liste?

Wenn dir bei „was tut mir gut" sofort das Getränk, der Ausflug, das Essen einfällt, dann freu dich erstmal drüber. Denn du hast jetzt gemerkt, dass dir sonst wirklich nichts einfällt. Wie sagt man? Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Und noch wichtiger: Du bist nicht allein mit dem Dauerstress.

Wie du im Dauerstress landest: Du stehst morgens auf und merkst, dass du gestern etwas vergessen hast zu erledigen. Stress. Du fährst in die Arbeit, im Verkehr eine beinahe gefährliche Situation, und es reicht schon, wenn du sie nur beobachtest. Beim Arbeitsstart weißt du, du musst heute pünktlich weg und kriegst trotzdem nicht alles fertig. So sieht unser Alltag oft aus, und da stecken wir im Dauerstress. Dabei ist dein Körper eigentlich auf das Gegenteil ausgerichtet: viel Entspannung und nur kurz mal Stress.

Jedes Mal, wenn Stress stattfindet, verändert sich dein Hormonhaushalt. Dein Körper schüttet das Stresshormon Cortisol aus. Kurzfristig ist das genau richtig, es macht dich wach und handlungsfähig. Nur ist es eben nicht für den Dauerbetrieb gedacht. Bleibt der Cortisolspiegel oben, fährt das unter anderem deinen Stoffwechsel und Grundumsatz herunter.

Und noch etwas macht dieses Cortisol: Es verhindert, grob gesagt, den Zugriff auf dein Vernunftsgehirn. Deshalb fallen dir genau in diesen Momenten die Dinge nicht ein, die dir guttun und dich runterfahren lassen. Nicht weil du zu doof dafür wärst, sondern weil dein Körper gerade auf Überleben schaltet.

Hier kommt deine Liste ins Spiel. Sie ist nicht irgendein Zettel. Du zwingst dich einmal hinzuspüren: Was tut mir gut, ganz ohne dass ich was kaufe oder unternehme? Und was dabei rauskommt, hast du dann schwarz auf weiß. Bereit, wenn du es brauchst.

Und falls dir das schwerfällt, falls du dasitzt und der Zettel bleibt leer: Das ist normal, siehe oben, Stichwort Cortisol. Genau dafür habe ich in meinem Minikurs OOPS, Stopp Selfcare, die Liste ausführlicher erklärt. Da zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du zu deinen eigenen fünf Dingen kommst, auch wenn dir gerade nichts einfällt.

Fünf Punkte gefunden? Im vollen Alltag schaffst du es, einen Punkt zu absolvieren. Vielleicht sind es nur zehn Sekunden. Das klingt nach nichts, ich weiß. Und genau so soll es sich anfühlen, wie pillepalle.

Jedes Mal sind diese zehn Sekunden ein Signal an dein Nervensystem: Es ist grad sicher. Einmal reicht nicht, das weißt du selbst. Mit jeder Wiederholung wirst du im Umgang mit der Liste routinierter. Irgendwann ist es so selbstverständlich wie Zähneputzen. Wozu es so wichtig ist, überhaupt öfter in diesen Zustand zu kommen, und was Dauerstress mit deinem Körper macht, dazu schreibe ich bald einen eigenen Beitrag.

Und wozu jetzt diese fünf Punkte aufschreiben? Damit du heute Abend auf der Couch sitzt und dich wirklich gut fühlst. Nicht, weil ein Glas neben dir steht oder ein schönes Foto im Feed. Sondern weil du tagsüber ein paar Mal dich wie deine beste Freundin behandelt hast.

Das ist der Unterschied zwischen dem Drink und der Liste. Der Drink ist einmal schön und dann vorbei. Die Liste hast du an jedem vollen Tag zur Hand. Sie verändert, wie du mit dir umgehst. Jeden Tag ein bisschen. Und dann kommt das gute Gefühl abends nicht von außen. Es kommt von dir.